3D-Druck auf der ISS: “Made In Space”

Interview Ana Carolina Rocha | 31.01.2017 | 5 min read

 Harrison Pitman, Verantwortlicher für Produktstrategie bei “Made In Space”, hat uns die Sichtweise des Unternehmens nahegelegt, darüber wie die 3D-Drucktechnologie für die Verwendung im Weltall angepasst wird, wie die Kommunikation verläuft und welches die nächsten Ziele sein werden.  

Made in Space Team Zero gravity

Bild Quelle: Made In Space

Nach vielen sehr bekannten Ankündigungen in 2016 wurde die Firma “Made in Space”, die sich mit 3D-Druck in der Schwerelosigkeit beschäftigt, die erste Anlaufstelle bei Fragen zur additiven Manufaktur im Weltraum. Seit 2013 hat das Unternehmen gemeinsam mit der NASA die Technologie weiterentwickelt. Ende 2015 wurde sie mit einer Vertragsverlängerung belohnt, um die nächste Stufe der Fertigung direkt im Weltall zu entwickeln.

Was sind die Haupttätigkeiten von “Made In Space”?

Made In Space baut Produktionsstätten, welche optimiert sind für die Mikrogravitation im Weltall. Wir haben 3D-Drucker gebaut, welche sich momentan auf der Raumstation befinden, und konzentrieren uns ebenfalls auf viele Aspekte der weltraumbasierten Herstellung, so wie der “Made In Space Fiber” oder dem “Archinaut”, einem Roboter-Produktionssystem, welches unsere Vision zum Ausdruck bringt, großflächige Strukturen für das Weltall in der Umlaufbahn zu konstruieren.

Unser oberstes Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, mit denen die Menschheit auch auf anderen Planeten überlebensfähig wird. Die nachfolgenden Projekte zeigen sowohl unsere bereits entwickelten Produkte, als auch einige der laufenden Forschungen.

Was ist Ihr aktueller Schwerpunkt?

Additive Manufacturing Facility (AMF)
2016 haben wir einen Großteil unserer Zeit dafür aufgebracht, unsere Produktionsstätten der additiven Fertigung (AMF) zu entwickeln. Seit dem März 2016 ist die AMF eine ständige Produktionsanlage auf der ISS. Im Gegensatz zu früheren, experimentellen 3DP-Druckern druckt die AMF ein breites Spektrum polymerer Werkstoffe, ist dafür konzipiert, die ganze Lebensdauer der Raumstation zu bestehen und ist für Kunden erhältlich, die Utensilien für die ISS sehr viel schneller und kostengünstiger als mit herkömmlichen Methoden herstellen wollen. 

Made in space Zero Gravity Lowe's 3d printer

Source: Made In Space

Material Recycler (R3DO)

R3DO (gesprochen ri: du) ist der Codename für unseren Material-Recycler in der Schwerelosigkeit. R3DO wurde so konzipiert, dass das Material von Produktionsabfällen oder vorherigen Drucken eingeschmolzen und dann als Rohmaterial im 3D-Druck wiederverwertet werden kann, wodurch die Dauerhaftigkeit der Materialien und die Gesamteffizienz der additiven Manufaktur außerhalb der Erde erheblich erhöht wurde. Wenn wir über die langfristige Produktion verschiedener Experimente auf der ISS nachdenken, von Arbeitsgruppen die dort Zeit von einer Woche bis zu einem Jahr verbringen, ist es von großer Bedeutung, dass wir den Druck neuer Ausrüstungen anbieten können, ohne ständig neues Rohmaterial senden zu müssen. Wir arbeiten daran, eine komplette Kreislaufwirtschaft für die ISS zu erstellen!

Können Sie uns noch etwas mehr über das Projekt “Archinaut” erzählen?

Der “Archinaut” ist ein Roboter-Produktionssystem, welches unsere Vision symbolisiert, großflächige Strukturen für das Weltall in der Umlaufbahn zu erstellen. Es stellt eine Paradigmenerweiterung bezüglich additiver fertigung dar, da additive Konstruktion einbezogen wird! Im Wesentlichen würde der Roboter Zusatzteile produzieren, indem er auf standardisierte AM-Verfahren zurückgreift, aber er hätte ebenso die Fähigkeit, diese Drucke miteinander zu verbinden und zu großen und komplexen Systemen im All zusammenzusetzen, ohne dass Außenbordarbeiten von Astronauten nötig wären. Da wir uns um Schwerkraft keine Gedanken zu machen brauchen, ist es auf einmal möglich, Projekte zu konzipieren, bei denen großflächige Konstruktionen von einem relativ kleinen Roboter, dem “Archinaut”, ausgeführt werden.

nasa in space printed tool

Bild Quelle: NASA

Wir wissen, dass ihr regelmäßig Objekte für der NASA druckt, könnt ihr uns erzählen, wie die Kommunikation abläuft und welche Objekte bereits jetzt im Einsatz sind?

Oftmals vergleichen wir das Senden eines Auftrags an die AMF mit dem Senden einer E-Mail. Wir erstellen eine Datei, welche alle Informationen zum 3D-Druck enthält, und senden es durch das bereits bestehende Kommunikationssignal der NASA, eben genauso wie Befehle für jede andere On-Orbit Technologie.

Die NASA hat bereits eine Reihe von einfachen Werkzeugen und Ersatzteilen gedruckt, die auf der Raumstation implementiert wurden. Diese früheren Tests ermöglichen es uns, die Qualität zu beurteilen und die Maschinen zu optimieren. Nun wollen wir uns komplexeren und kritischeren Komponenten auf dem Raumschiff zuwenden.

Einer der wichtigsten Vorteile der AMF ist das Potenzial, nahezu alles herstellen zu können, was im All gebraucht wird. Ich denke es ist wichtig, die AMF als Werkzeug an und für sich zu betrachten.

“Made In Space” hat auch einen Drucker (TAC3D), der dafür konzipiert ist, dem Bedarf von additiver Fertigung in extremen Bedingungen auf der Erde nachzukommen, wobei viele der logistischen Anforderungen sich hierbei ähnlich sind!

made in space 3d printing in space

Bild Quelle: Made in Space

Was ist eure derzeitige Mission?

Der Menschheit zukünftig die Möglichkeit zu geben, im All überleben zu können. Bis es soweit ist, gibt es noch eine Menge Arbeit für uns zu tun.

Made In Space

Made in Space

2010 gegründet mit dem Ziel, die Zukunft der Menschheit im All zu ermöglichen, hat “Made In Space” seitdem Technologien der additiven Fertigung entwickelt, die sich besonders auf die Umweltbedingungen im Weltall spezialisieren. Dadurch, dass Produkte für das All direkt im Weltraum hergestellt werden, plant das Unternehmen, die Entwicklung der Raumfahrt zu beschleunigen und auszuweiten, während gleichzeitig ein bisher beispielloser Zugriff auf das Potenzial der Weltraumforschung für Menschen auf der Erde geboten wird.

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